COR: Das Projekt zur Unterstützung behinderter Kinder
In Tansania bleiben Behinderte zu Hause, im Hintergrund, und sie sind die ersten, die nicht mehr versorgt werden, wenn das Essen nicht reicht. Wie einfach Hilfe aber sein kann, zeigte ein Voluntär, der gerade seine Physiotherapie-Ausbildung abgeschlossen hatte, nach einem Ostergottesdienst 2006 in der Steppe.
Er sah die 2-jährige, auf allen vieren krabbelnde Theresia und stellte fest: Das Kind hat eine Fuß-hebeschwäche und braucht eine Schiene. Beim nächsten Besuch dort band er die aus einem Ölkanister zurecht geschnittene und mit Kaninchenfell gepolsterte Schiene mit einer Binde am Bein fest, und zum Erstaunen aller fiel das Mädchen nicht mehr um, sondern es lief! 2008 war es so fit, dass es als schulfähig eingestuft wurde.
15 Jahre später besucht eine Voluntärin, von Beruf Kinder-Physiotherapeutin, Theresia an ihrem Zuhause. Sie zeigt ihr Übungen, mit denen sie Gelenkschäden vorbeugen kann.


So etwas geschieht jetzt im Rahmen von COR, einem 2008 vom Christlichen Verein Junger Frauen gegründeten Projekt: Community Oriented Rehabilitation, die Wohnort orientierte Förderung von Kindern mit besonderem Bedarf.
Das Projekt will betroffenen Müttern und Pflegepersonen durch regelmäßig stattfindende Schu-lungswochen und durch Hausbesuche helfen, die Kinder entsprechend ihren Fähigkeiten zu unter-stützen, um größtmögliche Selbständigkeit zu erreichen. Geistige und körperliche Stimulation soll die Kinder aktivieren und fördern und ihnen den Zugang zum staatlichen Bildungssystem erleichtern. Die Mütter erhalten eine umfassende Schulung, damit sie die erlernten Übungen zu Hause mit ihren Kindern fortsetzen können.
Der Werdegang von Naomi und Ngaya zeigt, wie sie vom COR-Projekt profitieren konnten.

Nach Schulbesuch und Berufsausbildung sind sie jetzt im Berufsleben angekommen. Ngaya, mit verkrümmter Wirbelsäule, ist Montessori Erzieherin und arbeitet mit einer ersten eigenen Kindergruppe. Naomi, mit Gehhilfe, behindert infolge von Kinderlähmung, ist Bürofachfrau und hat einen eigenen Schreibwarenladen eröffnet.
Diese Selbständigkeit wird von der Mehrzahl der Kinder nicht erreicht, aber in Übungswochen werden auch sie gefördert, ihre Pflegepersonen geschult und ermutigt.

Bis 2015 gab es eine Anschubfinanzierung durch Terre des Hommes. Es konnte ein kleines Gebäude mit zwei Übungsräumen gebaut werden. Der Verein führte die Arbeit auch ohne die Zuwendungen bis heute weiter, wegen fehlender Geldmittel aber mehr schlecht als recht.
Die Stiftung für Bildung gegen Armut möchte die Arbeit des Vereins sichern und eine Weiterentwicklung des Projekts ermöglichen, indem sie ihn zur Selbsthilfe befähigt. Dies soll durch den Bau eines Gästehauses mit Kantine zur Einkommenserzielung erreicht werden. Damit soll die Durchführung der Schulungswochen gesichert und die Bedingungen, unter denen sie stattfinden, verbessert werden. Ziel ist, dass jedes Kind seinen Platz im Leben findet, entsprechend seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten.